„Aqua Fun“ GC2VWYT trockengelegt

Kleine Geschichte einer Archivierung

Im Mai 2011 war ich in Eschweiler und stolperte dort im Stadtwald über eine interessante Location. Es handelte sich um einen so genannten Mönch, ein Überlaufschutz an einem alten Löschwasserteich neben dem Weg. Dieser kleine Lost Place schien mir wie geschaffen als ein Ort für einen schönen Cache.Damals war dort neben dem offiziellen Weg ein ausgetrocknetes Bachbett, über welches man bis zum brunnenartigen Gebilde gelangen konnte. Außer vielleicht ein paar Brennesseln wurde dadurch keine Vegetation in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem die Dose ausgelegt und das Listing erstellt war, wies mich der Reviewer Earl Silas darauf hin, dass sich der Cache in einem Naturschutzgebiet liegt. Das wusste ich bis dahin nicht.

Weil mir Naturverträglichkeit beim Cachen allerdings schon damals wichtig gewesen ist, vermerkte ich im Listing entsprechend, dass die Wege nicht verlassen werden müssten, um bis zum Cache zu gelangen. Soweit nicht verkehrt, aber trotzdem nur die halbe Wahrheit: ich hatte meine persönliche Einschätzung vor Ort zum Maßstab gemacht und deshalb auch kein schlechtes Gewissen. In Wirklichkeit hatte ich Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und die Guidelines von Groundspeak zu meinen Gunsten gedehnt, interpretiert, verbogen.

Darum habe ich damals kein Problem darin gesehen, diesen Cache trotzdem veröffentlichen zu lassen. Sorgte ich ja zudem über eine T5-Wertung (eine 4,5 oder gar 4,0 hätten es sicher auch getan) sowie die PMO-Hürde dafür, dass die Zahl der Suchenden automatisch weiter eingegrenzt wurde. In der Tat waren das auch nicht besonders viele: in 2012 hatte der Cache in seiner Location lediglich 15 Besuche (ca. 20 Found-Logs) verzeichnet. So hätte der Cache doch noch einige Jahre Bestand haben können, wenn nicht…

„Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher“

(Voltaire)

…das Jahr 2012 meine Einstellung zum Geocaching nachhaltig verändert hätte. Durch die Organisation der Geocaching Konferenz habe ich mich mehr als zuvor eh schon mit den verschiedenen Facetten unseres Hobbys befasst. Dabei ging es vordergründig zwar um die Naturverträglichkeit des Cachens, aber auch um korrektes Verhalten der Geocaching Community und um Eigenverantwortung.

Weiterhin habe ich mich intensiv mit Menschen auseinandergesetzt, die der Dosensucherei kritisch gegenüber stehen (oder standen). Die meisten von ihnen konnte ich im Gespräch von einer Pauschalverurteilung abbringen. Auf der anderen Seite habe ich mir ihre Erfahrungen und Argumente genau angehört und kann einige davon durchaus nachvollziehen.

Den „Tauch Ab!“ Cache der AQUA FUN Serie sehr genau beobachtet und mich mit anderen darüber ausgetauscht. Eigentlich fanden alle den Cache prima und vor allem unproblematisch. Mir wurde auch gesagt, für die zuständige Försterin sei der Cache in Ordnung. Das wollte ich gerne glauben!

Nun rückte das Event ART 2012 (Anm.: Umweltcacher berichtete) näher und ich entschied mich, die Gelegenheit zu nutzen und im Rahmen dieser (hervorragenden) Veranstaltung selbst mit der Revierförsterin sprechen. Knapp zwei Monate vor dem Event dann hatte ich den Cache disabled. Für mich stand fest: entweder gibt die Zuständige ganz offiziell grünes Licht oder ich werde den Cache ins Archiv schicken.

„Beachte immer, daß nichts bleibt, wie es ist und denke daran, daß die Natur immer wieder ihre Formen wechselt.“

(Marc Aurel)

Vor Ort dann hat sich die Natur gänzlich anders präsentiert, als damals beim Auslegen des Caches. Das ehemals trockene Bachbett war eher sumpfig geworden und es waren inzwischen viel mehr Pflanzen gewachsen. Vermutlich hätte ich unter diesen Umständen schon im Mai 2011 von einem Auslegen der Dose abgesehen. Nun war aber schnell klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Im Beisein der Försterin beschloß ich, den Cache umgehend aus seinem Versteck zu holen und im Anschluß an das Event ins Archiv zu schicken.

Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich entscheiden muss! Ich für meinen Teil kann nicht in der Geocaching Community für korrektes Verhalten in der Natur werben und dann so tun, als gäbe es meine “Altlasten” nicht. Natürlich wird man immer auch an den Caches gemessen, die man selbst ausgelegt hat. Und das zurecht!

Mittlerweile ist dieser Cache von mir archiviert worden. Es wird nicht der letzte sein, mindestens ein weiterer wird in den nächsten Wochen folgen. Auch wenn das nicht leicht fällt, so ist es dennoch ein richtiger Schritt. Vielleicht gibt es andere Cacher in einer ganz ähnlichen Situation? Ich würde mich freuen, wenn mein Schritt zu einer Diskussion anregt und manche sich mir anschließen.

Czerkus ist Geocacher und einer der Mitorganisatoren der Geocaching-Konferenz.

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Ein Gedanke zu “„Aqua Fun“ GC2VWYT trockengelegt

  1. Zusatz-Info:
    Da es bei einigen (ortsunkundigen) Cachern für Irritationen gesorgt hat, möchte ich darauf hinweisen dass der oben abgebildete “Mönch” selbstverständlich nicht jener ist, in dem der Cache versteckt gewesen ist. Im Stadtwald von Eschweiler stehen mehrerer solcher Gebilde.

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